Die über 200jährige Zuchtgeschichte des Glanrindes hat Höhen und Tiefen gekannt wie bei kaum einem anderen Viehschlag in Deutschland. Dem Höchststand mit knapp 400.000 Tieren im Jahre 1959 steht der Tiefststand mit nur noch 2 reinblütigen Kühen 1984 gegenüber. Das Ende schien nahe, wäre da nicht der Verein zur Erhaltung und Förderung des Glanrindes in Idar-Oberstein (VEFG-Deutschland e.V.) mit dem Ziel gegründet worden, diesen wertvollen einfarbig gelben Höhenviehschlag zu retten.
Inzwischen sind 18 Jahre vergangen und die Arbeit des VEFG hat reiche Früchte getragen, sodaß es heute wieder etwas mehr als 1.000 Glanrinder gibt, die vor allem in Rheinland-Pfalz, dem Saarland und in Nordrhein-Westfalen gehalten werden. Qualifizierten Fachleuten wie Rudolf Neu, dem ersten Zuchtwart des VEFG ist es zu verdanken, daß die Glanvieh-Erhaltung auf den richtigen Kurs gebracht wurde und sich der gewünschte Erfolg einstellte.
Die größte Hürde die es zu überwinden galt, dürften sicherlich die veränderten Haltungsbedingungen für das Glanvieh gewesen sein, das in knapp 20 Jahren seine "Metamorphose" vom milchbetonten Dreinutzungsrind zur extensiv gehaltenen Mutterkuh verkraften mußte, ohne seinen ureigensten Typ zu verlieren. Diese Herausforderung wurde nicht nur angenommen, sondern kann als erfolgreich bewältigt angesehen werden, wie die steigende Nachfrage nach Glan-Mutterkühen beweist.
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fast 1.200 kg Lebendgewicht |
Heute käme niemand mehr auf die Idee, die Glankuh mit der rotbunten HF-Milchkuh zu vergleichen, auch wenn MLP-Glankühe vorhanden sind, die über 8.000 kg Milch geben oder eine Lebensleistung von mehr als 60.000 kg aufweisen. Die momentane Situation sieht das Glanrind neben Limousin oder Charolais im Reigen der Fleischrassen. Hier kann es seine Vorzüge wie hohe Milchleistung für die Mutterkuhhaltung, herausragende Fleischqualität, äußerst ruhiges Temperament, leichter Geburtsverlauf, Genügsamkeit und Bodenständigkeit sozusagen in Euro und Cent tagtäglich aufs Neue unter Beweis stellen. Ebenso sprechen die Zuchtwerte (Abkalbeergebnisse) der aktuellen KB-Bullen für sich, wie die nachfolgende Tabelle zeigt.
| Bulle | Abkalb ungen |
Anzahl Betriebe | Geburtsverlauf | Geburts gewicht der Kälber |
Bemerkungen | |||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| leicht | mittel | leicht + mittel | schwer | |||||
| Galan 3324 | 20 | 8 | 66,7 % | 27,8 % | 94,5 % | 5,5 % | 39,0 kg | Gute Keulenbemuskelung der Nachzucht |
| Ingo 3309 | 37 | 14 | 75,7 % | 18,9 % | 94,6 % | 5,4 % | 41,7 kg | Nachzucht tendiert zum großen Rahmen |
| Kevin 3307 | 56 | 29 | 60,7 % | 32,2 % | 92,9 % | 7,1 % | 43,4 kg | Bulle nicht für Färsen empfohlen; seltene Blutführung; Glantypische Nachzucht |
| Obelix 3305 | 21 | 8 | 81,0 % | 19,0 % | 100,0 % | 0,0 % | 38,4 kg | Bulle für Färsenbesamungen geeignet |
| Otto 3308 | 20 | 10 | 72,2 % | 22,2 % | 94,4 % | 5,6 % | 43,8 kg | Nachzucht tendiert zur hellgelben Farbe |

Zucht- und Reproduktions-
programm des Glanrindes
Zucht- und Reproduktionsprogramm des Glanrindes
Um die guten Nachzuchtenergebnisse und den
Qualitätsstandard des Glanrindes auch weiterhin zu
gewährleisten, wurde das aus dem Jahre 1991 stammende
Zuchtprogramm im Frühjahr d. J. überarbeitet und den
aktuellen Gegebenheiten angepaßt. Genau genommen handelt es
sich dabei um ein empirisch entwickeltes Zucht- und
Reproduktionsprogramm, das unter Verwendung des beim
Fleischrinderherdbuch in Bonn eingerichteten
Optimate-Herdbuch-EDV-Systems nicht nur den Inzuchtfaktor aller
Herdbuchtiere berücksichtigt, sondern auch
letztendlich dazu dient, der Glanvieh-Erhaltung jährlich ca. 100
gute Zuchtrinder zuzuführen.
Ein erster Versuch, dieses Programm apriori in die Tat umzusetzen, war die Heranzüchtung des Bullen "Helge 204058" und seine Übernahme in die KB im Herbst 2001. "Helge" entstammt der Cardinal-Linie und ist dank der Genreserve über seinen Vater "Hektor 5528" so nahe am alten Glanblut wie noch kein Glan-KB-Bulle zuvor. Er wurde von R. Loscheider, Hütterscheid/BIT aus einer typvollen Bullenmutter gezogen und erreichte fast 1.600 g tägliche Zunahme in der ELP. Die Beschreibung von "Helge 204058" lautet wie folgt:
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Himmel der Glanvieh-Erhaltung |
Mittelrahmiger, fester, gelber Bulle mit tiefer Brust- und Flanke. Das gut plazierte Becken unterstreicht den in jeder Beziehung vollkommen tadellosen Körperbau, der von einer ausreichenden Länge in der Mittelhand und einer stabilen Nierenbrücke bestätigt wird. Die Bemuskelung ist durchweg ansprechend und nicht zu stark ausgeprägt in der Keule. Das insgesamt korrekte, trockene Fundament verfügt über gute Klauen, Fesseln und Gelenke. Das Vatertier zeigt alle Merkmale eines typischen Glanrindes.
Damit die Glanviehzüchter auch künftig im Konzert der Fleischrinderrassen erfolgreich mitspielen können, hat sich der Vorstand des VEFG entschlossen, neben den bereits vorhandenen finanziellen Anreizen für ELP-Glanbullen, seinen Mitgliedern die Möglichkeit zu geben, einen Superbullen zu züchten. Derjenige der das gesteckte Ziel als Erster erreicht, soll 250 € in bar erhalten. Hierzu schrieb man voller Selbstbewußtsein dem Superbullen ins "Lastenheft":
Typischer mittel- bis großrahmiger Glanbulle mit hoher Form- und Bemuskelungsnote bei einer täglichen Zunahme in der ELP bis zu 2.000 g. Seine Blutführung sollte unabhängig sein und sein Inzuchtfaktor unter 1 liegen. Bei zwei Bullen mit gleichem Körergebnis, soll derjenige präferiert werden, der einer MLP-Mutter entstammt.
Wer sich bei der Heranzüchtung eines solchen Superbullen beteiligen und sich den ausgelobten Preis verdienen will, möge sich zur Kontaktaufnahme an den VEFG-Deutschland e.V. unter folgenden Möglichkeiten wenden:
Tel./Fax 06781-25856 oder 06131-35920 (Geschäftsstelle)